Erotica - Christliches Musical nach Recherchen im Rotlicht-Millieu
Dort wo früher Winnetou aufgeführt wurde geht es jetzt um Sex, Prostitution und die Liebe zu Gott. Untertitel - “Ein musikalischer Abend auf der Suche nach Liebe”.
Erotica heisst das Stück, welches Nadine Kellner mit Dhessielyn Vanzuela nach Recherchen im Rotlichtmilieu geschrieben hat und das dort von den Jugendlichen des Musical-Ensembles der katholischen Jugendkirche “Tabgha” aus Oberhausen aufgeführt wurde.
Im Stück selbst agieren leicht bekleidete junge Frauen in Rot und Schwarz, in der in pinkfarbenes Licht getauchte, in ein Bordell nebst Bar verwandelten Bad Segeberger Jugendkirche und sinnieren über Prostitution, Drogen, die wahre Liebe und die Liebe zu Gott. Ihr Anliegen: Den den Zuschauern die Gründe nahezubringen, weshalb junge Frauen sich prostituieren, in den Strudel von Sex und Gewalt geraten. Die da wären:
Vergewaltigung in der Kindheit vom Onkel, der Drogenteufelskreis, aber auch Sexsucht oder das Unvermögen, die Trennung der großen wahren Liebe zu verarbeiten. “Man hasst sich dafür, will sich nicht gut fühlen und bestraft sich selbst”, schrien die sechs Schauspielerinnen in die Kirche. Anklagend fragten sie, ob den Zuschauern bewusst sei, wie erniedrigend der Job sei. “Wissen Sie, was ein Schwämmchen ist? Das nimmt das Menstruationsblut auf, weil der Freier sich vor Blut ekelt. Doch ich muss mit Rücken- und Leibschmerzen arbeiten, ich brauche das Geld für Stoff.”
Die Botschaft, welche das Ensemble den Zuschauern vermitteln will, “einziger Hoffnungsschimmer, die Liebe zu Gott und mit seiner Liebe das alte Leben vergessen und ein neues beginnen” also Religiosität - als Ausweg, kommt nicht wirklich an.
So bleibt es lediglich eine merkwürdige Interpretation einer merkwürdigen Recherche, die nichts Neues zu bieten hat, weil sie schon in Anfängen stecken bleibt und die Thematik nicht konsequent genug behandelt aber nicht mit Platitüden aus dem angeblichen Alltag von Prostituierten geizt:
“Zu mir kommen Familienväter, Manager großer Firmen, die sich nicht trauen, eine Frau anzusprechen. In jedem Mann steckt ein Freier.” “Sie gibt sich Männern hin, deren Tochter aus genau diesem Grund verschont bleibt”.
Aha, in jedem Freier steckt also ein Missbraucher. Das wussten wir noch nicht.
Anstatt halbgar im Rotlicht-Millieu zu recherchieren und Unsinn darüber zu erzaehlen, weshalb Huren Schwämmchen verwenden, täten die Kirchen gut daran auch eigene Einflüsse mit in die Thematik einfliessen zu lassen. Die da wären: Bigottes Elternhaus und nicht zu vergessen, die weltweiten Skandale welche vom Missbrauch von Kindern in kirchlichen Organisationen berichten.
Deshalb ist es vielleicht auch nicht verwunderlich wenn die Darsteller im Finale, statt des erwarteten HappyEnd, das verdutzte Publikum mit einem “The Show Must Go On” im Regen stehen lassen.
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