So funktionierte Tirols Rotlicht-Imperium
Im Juli zerschlug die Polizei Tirols groesstes Rotlicht-Imperium: Die NEUE hat recherchiert, wer die Draehte zog und was in den Massagesalons geboten wurde.
Der Schriftzug Paradies-Entspannung ist laengst vom Schaufenster entfernt, das Geschaeftslokal in der Innsbrucker Claudiastraße 10 steht nach der Polizeirazzia Mitte Juli leer. Nichts deutet mehr darauf hin, dass das Studio im Stadtteil Saggen unter sexhungrigen Maennern als Geheimtipp galt.
Vor allem dank Eva, einer blonden Russin: “Bei Eva zahlst du zwar 150 Euronen, dafür bekommst du aber eine bequeme ganze Stunde Service vom Feinsten.
Das ist teuer, aber bei ihr passt die Leistung. Da kann in Innsbruck keine andere mithalten, was Aussehen, Ausdauer, Vielfalt und Geilheit angeht”, pries im Winter 2005 ein Freier die Russin im Internet.
Eva bediente nicht nur die Maenner im Paradies, sie war auch in einem versteckten Salon in der Innstraße und in einem Massagestudio in der Salurner Strasse anzutreffen. Erotik-Studios, die nach Ansicht der Polizei allesamt von einem einzigen Mann betrieben wurden.
Der Jaguarfahrer mit Hang zu kleinen Hunden gilt als Branchenkoenig, der nicht nur in Innsbruck die Fäden im Milieu gezogen haben soll. Auch in Woergl, Landeck, Gries am Brenner und Ischgl sorgte der Innsbrucker angeblich für erotische Entspannung bei zahlungswilligen Kunden.
Der Jaguarlenker und seine Partnerin waren es meistens auch, die per Inserat “Masseusen” anwarben und in den Job einschulten. Dabei ging das Duo sehr geschickt vor: “Sie erklaerte mir sinngemaess, dass ich die Leute am Ruecken und am Bauch streicheln soll, von sexuellen Handlungen wurde nicht geredet”, schilderte etwa eine Masseuse dem Landeskriminalamt ihr Einschulungsgespräch mit der Partnerin des Innsbruckers.
Ein anderes Maedchen gab der Polizei zu Protokoll, dass es erlaubt war, “Sex in allen normalen Variationen anzubieten. Ich moschte aber betonen, dass es nicht verlangt wurde, wir wurden dazu nicht gezwungen. Am Ende des Gespraechs teilte mir der Chef mit, dass es das Ziel dieser Entspannung sei, dass der Kunde zum Hoehepunkt kommt”.
Die Preisgestaltung für das Extraservice war offenbar den Maedchen ueberlassen. Die Kunden zahlten 80 bis 85 Euro fuer die Streicheleinheiten. Die Haelfte kassierten die Betreiber, der Rest blieb den Damen. Wenn sich die Maedchen mit aussertourlichen Leistungen ein Zubrot verdienten, war das angeblich ihre Sache.
So gibt eine “Entspannungstherapeutin zu, für je 130 Euro einige Male auch Geschlechtsverkehr mit den Kunden gehabt zu haben: “Ich weiß nicht, ob die Chefs davon gewusst haben.” Die Goldgrube des Unternehmens war offenbar ein Massagestudio am Brenner: Vor allem italienische Kunden reisten in Scharen an, um sich für 130 Euro ein Sexabenteuer zu leisten.
Aber auch der Chef persoenlich konnte den sexuellen Verlockungen angeblich nicht immer wiederstehen. So erklaerte ein Maedchen den Ermittlern, sie habe ein Verhaeltnis mit dem Jaguarlenker begonnen.
Eine weitere Mitarbeiterin gab an, ihren Chef oral befriedigt zu haben. Und zwar nicht ganz freiwillig, die Dame hatte (ohne entsprechend bedroht worden zu sein) Angst um ihren Job. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Morgen in der NEUEN: Was in einem Ischgler Nobelhotel geboten wurde und warum Tourismusvisionär Guenther Aloys in Zusammenhang mit den Rotlicht-Ermittlungen eine Anzeige droht.
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