Michael Jackson: Sex und Luegen
Neun Wochen lang hoerte man pikante Details aus dem Privatleben des Popidols. Jetzt laesst die Verteidigung unter anderem Elizabeth Taylor aufmarschieren.
Es gibt noch Menschen, die Michael Jackson moegen. Ron Burkle ist so einer. Der amerikanische Multimilliardaer, der unter anderem eine Supermarktkette besitzt, will dem Popstar zwoelf Millionen Dollar schenken. Die Finanzspritze soll dem “King of Pop” aus der aergsten Finanznot helfen. Jackson schuldet der “Bank of America” beachtliche 270 Millionen Dollar - und taeglich kommen die Kosten seines Gerichtsverfahrens hinzu: Jeder Tag, den seine vier Anwaelte imGerichtssaal in Santa Monica in Kalifornien verbringen, schlaegt sich mit ein paar tausend Dollar zu Buche.
Bisher koennen die Rechtsvertreter 40 Verhandlungstage in Rechnung stellen, und das ist gerade einmal die Halbzeit. Nach neun Wochen wird die Staatsanwaltschaft am Freitag ihre letzten Zeugen aufrufen. Dann ist die Verteidigung am Zug, um auszubuegeln, was ehemalige Angestellte und vermeintliche Opfer ueber das seltsame Privat- und Sexleben des Popstars ausgesagt haben, der wegen Kindesmissbrauchs angeklagt ist.
An manchen Tagen waren die Schilderungen derart anschaulich, dass oeffentliche TV-Sender ihre Nachrichten mit einer Warnung einleiteten: Der folgende Bericht, hiess es da, sei nicht fuer Kinder geeignet. Dann wurde detailliert geschildert, was der einstige Wachmann Ralph Chacon an dem Tag im Zeugenstand ausgesagt hatte: Wie er durch ein Fenster Michael Jackson mit einem elfjaehrigen Buben nackt im Badezimmer sah; wie Jackson den Koerper des Buben abgekuesst und schliesslich Oralsex an ihmvollzogen hat.
Das war zweifellos der negative Hoehepunkt in Jacksons bisherigem Verfahren. Aber diese Aussage war nur ein Puzzlestueck in dem bizarren Bild, das die Anklage von dem Star zeichnete: Ein 46-jaehriger Mann, der mit fremden Kindern in einem Bett schlaeft; der weint, wenn das jemand verhindern will; der Kinder betatscht und sexuell noetigt; dessen Angestellte mit Geld und Drohungen versuchten, die Opfer und ihre Familie zumSchweigen zu bringen.
Perlen - Ketten - Ohrringe
So erzaehlte die Mutter eines angeblich von Jackson sexuell missbrauchten Buben, sie habe Perlenketten, Ohrringe und manchmal ueberhaupt gleich die Kreditkarte des Saengers zum Einkaufen bekommen. Als ihr Sohn in einer BBC-Dokumentation Haendchen haltend mit dem Popstar zu sehen war, habe sie das Management Jacksons nach Brasilien ausfliegen und dort “fuer immer” vor der Presse verstecken wollen. Als sie sich weigerte, sei sie bedroht worden.
Doch gerade die Schilderung der Mutter, die eine der Kronzeugen der Staatsanwaltschaft ist, hinterliess viele Fragezeichen. Waehrend ihrer fuenftaegigen Befragung musste sie zugeben, schon einmal unter Eid gelogen zu haben. Vor 15 Jahren hatte sie Wachmaenner eines Kaufhauses, die sie wegen Diebstahls festgehalten hatten, wegen Koerperverletzung und sexuellen Missbrauchs verklagt und aussergerichtlich 150.000 Dollar Schmerzensgeld kassiert. Doch die Vorwuerfe waren zum Teil erfunden, wie die 36-Jaehrige nun im Kreuzverhoer mit Jacksons Anwalt ThomasMesereau gestand.
Auch die Glaubwuerdigkeit eines zweiten Kronzeugen - jenes Jackson- Bewachers, der ueber den Oralsex- Vorfall berichtet hatte - konnte Mesereau erschuettern. Der Mann war entlassen worden, weil er Gegenstaende vom Anwesen gestohlen hatte. Er klagte Jackson, verlor und blieb auf Anwaltskosten in Hoehe von einer Million Dollar sitzen. Die Schulden zahlt er damit ab, dass er Zeitungen in Interviews ueber seine Zeit auf der “Neverland”-Ranch erzaehlt.
Die Strategie der Jackson-Anwaelte zielt darauf ab, den Saenger als Opfer darzustellen. In seiner naiven Offenheit sei Jackson ein leichtes Ziel fuer die geldgierige Mutter gewesen. Das sollen etliche Zeugen der Verteidigung bestaetigen, die von der Frau um Geld angebettelt wurden. Dutzende Prominente, darunter die Schauspielerin Elizabeth Taylor, will man ueber den guten Charakter Jacksons berichten lassen, den Filmstar Macaulay Culkin (”Kevin allein zu Haus”) unter anderem darueber, dass er ebenfalls in Jacksons Bett uebernachtet hatte, wobei nichts passiert sei.
Ein Urteil koennte es Ende Juni geben. So oder so, die Karriere des Saengers duerfte jedenfalls gelaufen sein. In den grossen Elektronikketten der USA werden die CDs des einstigen Megastars zu Schleuderpreisen abverkauft.
(Die Presse)
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